Freitag , 15. Dezember 2017
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DER EID – Ein Island Thriller

DER EID Island 2016 Länge 102 min.

Über den isländischen Schauspieler und Filmproduzenten Baltasar Kormákur berichteten wir erst vor kurzem, da ab dem 19. Februar 2017 im ZDF die Krimiserie „TRAPPED“ ausgestrahlt wird. Nach einem längeren Aufenthalt in Hollywood kehrt Regisseur Baltasar Kormákur (EVEREST, THE DEEP, 101 REYKJAVIK) mit dem packenden Thriller DER EID zu seinen isländischen Wurzeln zurück. Er erzählt darin die unter die Haut gehende Geschichte eines verzweifelten Vaters und Arztes, der sich auf ein eiskaltes Spiel einlässt, um seine Familie zu retten.

Das eindringliche und emotionale Spiel des Protagonisten Finnur, den Kormákur nach achtjähriger Auszeit als Schauspieler selbst verkörpert, ergänzt sich mit den eindrucksvollen isländischen Landschaftsaufnahmen zu einem stimmigen Gesamtbild. Kormákur liefert mit DER EID typisch skandinavisches Gänsehaut-Kino – emotional, kompromisslos und jede Minute hochspannend.

In Island entwickelte sich DER EID zum absoluten Publikumsliebling und bisher größten Box Office- Erfolg des Jahres. Seine Weltpremiere feierte der Film auf dem diesjährigen Toronto International Film Festival. Des Weiteren wurde DER EID in der offiziellen Auswahl des San Sebastián-Film Festivals gezeigt. Kinostart ist der 9. Februar 2017.

Interview mit Baltasar Kormákur:

Wie kam es zu der Entscheidung, nach vier Jahren in Hollywood wieder für ein Filmprojekt in Ihre Heimat Island zurückzukehren?
Ich arbeite ja bereits seit längerem auf beiden Seiten des großen Teichs, deshalb habe ich Island auch nie wirklich für Hollywood verlassen. Während ich international meinen Weg gegangen bin, habe ich mich immer weiter intensiv um meine Firma RVK Studios und meine Karriere in Island gekümmert. Es ist natürlich großartig für mich, an großen Projekten im Ausland zu arbeiten, die dann auch recht er- folgreich waren. Das hat mir nicht zuletzt die finanziellen Möglichkeiten eröffnet, die RVK Studios so stark aufzustellen. Bei RVK produzieren wir auch zahlreiche Projekte anderer Filmemacher, sowohl von erfahrenen Regisseuren als auch von Newcomern. Ich finde es unheimlich spannend, meinen relativ großen Erfolg außerhalb Islands dazu zu nutzen, neue heimische Talente zu fördern und die isländische Filmlandschaft weiter zu stärken.

Szene aus DER EID
Szene aus DER EID

War für DER EID Island der einzig mögliche Drehort für Sie? Und wenn dem so ist, was macht den Film so besonders „isländisch“?
Ursprünglich erzählt DER EID eine isländische Geschichte. Wir haben dann für die Finanzierung das Skript komplett ins Englische übersetzt und uns wurde nahegelegt den Dreh nach England zu verlegen. Ich habe mich dann aber letzten Endes damals dazu entschlossen, den Film komplett in meiner Heimat zu produzieren und ihn so „isländisch“ wie möglich zu machen. Die Geschichte kann natürlich überall so passieren. Aber ich finde, nur in Island kann sie so wunderbar klaustrophobisch sein. Island ist ein winziges Land, jeder kennt jeden und die Wege sind kurz. Ich habe versucht, vor allem die isländische Natur, die Elemente in die Story einfließen zu lassen. Ich denke, eine gute Geschichte kann letztlich überall spielen. Die Authentizität, die ein bestimmter Ort filmisch vermittelt, ist dabei immer so etwas wie die richtigen Gewürze in einem gelungenen Gericht. Der Ort verleiht einer guten Story einen ganz speziellen Geschmack.

Für DER EID haben Sie nicht nur als Produzent agiert sowie Drehbuch und Regie übernommen, sondern wie schon in 101 REYKJAVIK auch die Hauptrolle gespielt. Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, wieder gleichzeitig vor und hinter der Kamera zu stehen?
Als ich meinem ersten Film 101 REYKJAVIK gedreht habe, war ich in Island als Schauspieler bereits relativ bekannt. Das Produktionsteam hat mich damals im Grunde dazu überredet selbst auch eine kleine Rolle zu übernehmen, was ich dann auch eher widerwillig getan habe. Ehrlich gesagt fand ich meine Performance nicht sonderlich berauschend und hatte danach überhaupt kein Interesse mehr daran, in meinen eigenen Filmen mitzuspielen. Was bei DER EID aber den Ausschlag gegeben hat, war diese besondere Rolle, diese Figur, mit der ich mich sehr gut identifizieren konnte. Also dachte ich, dass ich die beste Besetzung für diese Rolle sein könnte.

Szene aus DER EID
Szene aus DER EID

Wie haben Sie es geschafft, diese unterschiedlichen Aufgaben vor und hinter der Kamera am Set unter einen Hut zu bekommen? Gab es dabei Situationen in denen es besonders gut – oder solche, in denen es gar nicht funktioniert hat?
Dadurch, dass ich die Hauptrolle übernommen habe, dauerte der ganze Dreh zunächst deutlich länger als gewöhnlich. Ich habe mich vorbereitet, die Szene gedreht und habe dann hinter die Kamera gewechselt, um mir die Takes anzuschauen und meine Performance zu beurteilen. Ich habe mir ausgiebig Zeit gelassen und konnte dadurch meine Rolle als Familienvater Finnur sehr detailliert spielen. Ich glaube, ich bin selbst mein größter Kritiker, und was meine schauspielerische Leistung angeht deutlich strenger als andere Regisseure, mit denen ich gearbeitet habe. Was ich als sehr vorteilhaft empfunden habe, ist, mit den anderen Schauspielern vor der Kamera zu stehen und sie gleichzeitig als Regisseur zwischen den Takes anzuleiten. Das stellt eine besondere Nähe her und ich glaube, dass das auch den anderen Darstellern sehr entgegen kam. Mein ursprünglicher Hintergrund als Schauspieler hat mir bei meiner Arbeit als Regisseur generell geholfen und ich kann dadurch vielleicht einfach ein besonderes Verhältnis zu meinem Cast entwickeln. Auf der anderen Seite hat mir meine Arbeit hinter der Kamera dabei geholfen ein besserer Schauspieler zu werden. Schlechte Erfahrungen habe ich bei dieser Doppelbelastung nie machen müssen, es ist einfach sehr viel Arbeit, die viel Zeit braucht und die bei DER EID zum Ende hin etwas ermüdend wurde. Ich musste mich ja auch vor und während des Drehs in eine gute Form bringen, denn zum einen ist meine Filmfigur ein absoluter Triathlon-Fanatiker, zum anderen habe ich die meisten Stunts selbst gemacht.

Wie kam es zu diesem Projekt? Gab es eine konkrete Inspiration für die Geschichte?
Ursprünglich kam ich durch Olafur Egill Egilsson zu dieser Geschichte, die lose auf den tatsächlichen Erlebnissen seiner Schwester basiert. Ich glaube, der Plot ergab sich zum Teil aus dem, was Olafur in seiner Fantasie gerne ihrem missratenen Freund hätte antun wollen. Ich war sofort fasziniert von der Grundidee, aber die eigentliche Story brauchte noch einige Entwicklungszeit und jede Menge Änderungen. Tatsächlich kannte ich von Freunden und Bekannten bereits ähnliche Geschichten und je mehr wir mit dem Drehbuch vorankamen, desto deutlicher realisierte ich, dass solche Geschichten tatsächlich relativ häufig passieren.

Szene aus DER EID
Szene aus DER EID

Wie sind Sie bei der Wahl Ihrer Darsteller/Innen vorgegangen? Wie kamen Sie auf Hera und Gísli?
Obwohl ich mittlerweile die meisten Schauspielerinnen und Schauspieler in meiner Heimat kenne, brauche ich trotzdem immer viel Zeit für Castings. Ich möchte dabei jemanden Unerwartetes finden, jemanden, der vielleicht nicht die offensichtliche erste Wahl ist. Bei Hera war mir schon nach dem ersten Probelesen klar, dass sie die einzig Richtige für die Rolle ist. Sie ist eine starke Schauspielerin, die in der Lage war, auch in den schwierigen Szenen, die ihre Rolle mitbringt, immer eine starke Kame- rapräsenz zu wahren. Gísli kam dagegen erst relativ spät dazu. Ich suchte verzweifelt nach der richtigen Besetzung für seine Rolle und irgendwie kam er mir anfangs dafür überhaupt nicht in den Sinn, auch wenn er zweifelsfrei ein toller Schauspieler ist. Ich habe mich wahnsinnig schwer getan mit der Suche nach dem richtigen Darsteller für diese Figur, die einerseits auf ihre Weise charmant sein musste, an- dererseits auch aggressiv und zwielichtig. Die Rolle ist facettenreich und gleichzeitig muss es glaubhaft rüberkommen, warum sich Anna von ihm derart angezogen fühlt. Letztlich hat Selma, die mit mir ge- meinsam die Castings geleitet hat, Gísli vorgeschlagen. Sie hatte bereits des Öfteren mit ihm gearbeitet und obwohl ich nicht wirklich überzeugt war, haben wir ihn getestet. Nach dieser Probe war ich un- heimlich positiv überrascht und musste mir eingestehen, dass ich die ganze Zeit den besten Kandidaten für die Rolle übersehen hatte. Beim Dreh selbst entwickelte sich schnell eine sehr angenehme Chemie zwischen uns und letztlich haben die beiden meine Erwartungen weit übertroffen.

Finnur ist ein ganz gewöhnlicher Familienvater, der sich aus Liebe zu seiner Tochter plötzlich zum Äußersten gezwungen sieht. Sie sind selbst Vater – Inwiefern können Sie sich – oder kann sich ihrer Meinung nach ein Vater generell – mit Finnur identifizieren?
Ich persönlich kann sein Handeln gut nachempfinden. Natürlich denke ich, dass er letztlich das Falsche tut und sich anders verhalten sollte. Aber gleichzeitig ist es doch so, dass viele Menschen, mich selbst eingeschlossen, ihre Handlungen in solchen Extremsituationen nicht immer kontrollieren können. Ich selbst war schon mal in der Situation, dass ich beinahe auf jemanden losgegangen wäre, um meine Kinder zu schützen. Ich weiß nicht wie weit ich gehen würde, wenn meine Kinder in einer lebensbe- drohlichen Situation wären, selbst wenn sie diese selbst verschuldet hätten. Ich hoffe, dass ich niemals in eine vergleichbare Lage komme, aber ich denke eben, dass Finnurs Verhalten, so falsch es auch sein mag, unter diesen Umständen verständlich wird. Gleichzeitig zeigt der Film aber auch, dass Selbstjustiz der falsche Weg ist, dass jede Handlung Konsequenzen hat und man das Gesetz eben nicht in die eige- nen Hände nehmen kann. Dieses Thema ist beim Film seit jeher enorm beliebt. Jeder Superheld zum Beispiel übt Selbstjustiz, er ruiniert und tötet Menschen, muss sich allerdings nie den Konsequenzen stellen. DER EID zeigt das Gegenteil. Ein einziger Schuss löst sich und zerstört das Leben aller Beteilig- ten. Das Ergebnis ist nicht zwangsläufig, dass Finnur im Gefängnis endet, sondern dass er alles verliert, wofür er mal gekämpft hat. Meiner Meinung nach ist seine Strafe, dass dieses Verbrechen sein Gewis- sen für den Rest seines Lebens belastet. Durch das Brechen des Hippokratischen Eids wird er nie wieder seinen geliebten Beruf ausüben können. Er hat etwas zerstört und das ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Was macht für Sie einen guten Thriller aus und warum, würden Sie sagen, ist DER EID ein gelungenes Beispiel dafür geworden?
Ich liebe Thriller, die sich mit dem echten Leben auseinandersetzen, in denen man sich wirklich mit den Charakteren identifizieren kann und mit ihnen leidet. Ich mag auch Thriller, die das Publikum zu Orten bringen, an denen es vorher noch nie war. So ging es mir damals zum Beispiel mit „The Witness“. Und mich faszinieren Thriller, die den Zuschauer in einen moralischen Zwiespalt bringen. Es muss nicht alles schwarz und weiß sein. Ich habe wirklich genug von Filmen, in denen dem Publikum die Message förmlich eingetrichtert wird und wo von vorneherein klar ist, wer gut und wer böse ist. Jeder hat eben sowohl eine helle als auch eine dunkle Seite. Das war ein Ziel meines Films, einerseits Ottar menschli- cher erscheinen zu lassen und auf der anderen Seite die dunklen Seiten Finnurs, des Vaters, hervorzubringen. Gewalt spielt in der Story natürlich auch eine zentrale Rolle, denn Gewalt bringt Gegengewalt hervor und wenn man schon in jungen Jahren mit Gewalt in Berührung kommt, wird sie zu einem Teil des eigenen Lebens. Es macht dann keinen Unterschied, wie man sich kleidet, welches Auto man fährt oder in welchem Haus man lebt, man wird von der Gewalt gleichermaßen beeinflusst. Eigentlich sind Finnur und Ottar also gar nicht so verschieden, obwohl sie in denkbar unterschiedlichen Verhältnis- sen aufgewachsen sind. Sie wurden beide schon früh Gewalt ausgesetzt. Was DER EID meines Erachtens dabei deutlich von anderen Filmen unterscheidet, die sich inhaltlich mit der Drogen-Welt beschäftigen, ist, dass diese Welt hier unvermittelt Einzug bei jemandem hält, der damit nie und nimmer gerechnet hätte. Daher hoffe und glaube ich, dass Menschen, die sehr be- hütet leben, sich besonders von der Geschichte angezogen fühlen. Denn vor den Dingen, die um einen herum passieren, ist man nie geschützt. Wir hoffen zwar alle, dass die unschönen Dinge, die in den „dunklen“ Ecken unserer Welt passieren, nie zu unseren Problemen werden. Aber sie werden es manchmal eben doch. Es war mir sehr wichtig, die ganze Geschichte aus Finnurs Perspektive zu erzählen, damit Menschen, die nichts mit der Unterwelt zu tun haben und selbst Eltern sind, von Anfang an Empathie für ihn empfinden und ihn auf seinem Weg der falschen Entscheidungen begleiten.