Samstag , 20. Oktober 2018
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Claus Sterneck

Claus Sterneck – Ein Deutscher auf Island

Wer Zauber des Nordens regelmäßig verfolgt, wird diesen Namen schon gelesen haben. Claus Sterneck ist mir erstmals 2009 bei meinem ersten Aufenthalt in Djúpavík begegnet und ich war beeindruckt von seiner Entschlossenheit, sein Leben in Island zu verbringen. In den Sommermonaten verbringt er seine Zeit in Djúpavík und betreut dort die Hotelgäste und Besucher der alten Heringsfabrik. Im restlichen Jahr lebt er in Reykjavík, wo er als Briefträger arbeitet. Er ist Fotograf und seine Fotografien sind in diversen Ausstellungen auf Island und in Deutschland zu sehen gewesen. Dieses Jahr hatte ich Gelegenheit, Claus Sterneck zu seiner Motivation zu befragen, warum er sich für diesen Weg entschieden hat.

Claus, wie bist Du nach Island gekommen und warum dort geblieben?
„In 2003 gab mir meine damalige Freundin einen Artikel über ein Hotel in Island – das Hotel in Djúpavík. Keine drei Monate später verbrachte ich eine Woche in Djúpavík, das erste mal überhaupt in Island. So folgten weitere Besuche, und langsam merkte ich auch, dass Island nicht nur aus Djúpavík, Reykjavík und Keflavík besteht. 2006 und 2007 verbrachte ich dann mehrere Monate in Djúpavík, um im Hotel mitzuhelfen. 2008 entschloss ich mich in Island zu überwintern – Herbst 2008 fand ich Wohnung und Arbeit in Reykjavík. Warum hier geblieben? Mir sagt das Wetter wesentlich mehr zu als dieses in Deutschland – sowohl der Sommer als auch der Winter. Die Mentalität der Isländer kommt mir auch mehr entgegen (in Deutschland wird mir zuviel gejammert). Und: Von Reykjavík nach Djúpavík ist es kürzer als von Hanau (wo ich vorher wohnte) nach Djúpavík.“

Ist Deine künstlerische Arbeit mit Island verknüpft oder hast Du auch schon in Deutschland als Künstler gearbeitet?
„Ich habe bewusst mit der Fotografie -als Mittel um etwas in der Öffentlichkeit zu zeigen und zu dokumentieren- erst hier angefangen. Eigentlich auch nicht gewollt/bewusst. Den Grundstein legte ich mit meiner Internetseite www.claus-in-island.de, auf der ich seit 2006 (dem Jahr, in dem ich den ersten Sommer in Djúpavík verbrachte) Fotografien meines Alltags veröffentliche. Im Laufe der Jahre wurden es mehr und mehr Fotografien, die Seite wurde bekannter in der Island-Szene, mehr und mehr Kontakte kamen zustande. In 2009 zeigte ich meine Fotografien das erste Mal ausserhalb dieser virtuellen Welt in Djúpavík in der alten Heringfabrik. Es folgten mehre Ausstellungen in Island und Deutschland. Ich zeige auch nicht mehr ausschliesslich Fotografien, sondern verbinde Bilder mit dazugehörigen Informationen in Form von Geräuschen („Bilder – und ihre Geräusche“und Text („One picture per day“.“

Different III - Exhibition of Claus Sterneck
Different III – Exhibition of Claus Sterneck

Was ist dein nächstes Projekt?
„Ich arbeite weiter an der Grundidee, Bilder mit Geräuschen zu verbinden – hier gibt es noch viel Spielraum, den ich erkunden will …

Möchtest Du irgendwann ganz in Djúpavík leben?
„Ich kann mir dies gut vorstellen. Aber das grosse Problem ist, dass ich hier keine bezahlte Arbeit hätte. Aber Island ist recht gross, und es gibt viele andere schöne Orte. Es ist schon gut so wie es derzeit ist!.“

Wie sieht für Dich ein normaler Tag in Djúpavík aus?
„Wenn ich im Hotel mithelfe, dann gibt es IMMER etwas zu tun: Wäsche waschen und auf-/abhängen und zusammenlegen, Zimmer fertig machen für Gäste, in der Küche gibt natürlich immer viel zu erledigen, Gäste bedienen, Führungen durch die alte Heringfabrik geben, putzen, mit Gästen reden und deren Fragen beantworten (was mir viel Spass macht!) und vieles, vieles mehr. Die Arbeitstage können dann oft auch recht lange sein, und die Pausen reduzieren sich dann auf eine Tasse Kaffee trinken …“

Welche Eigenschaft der Isländer gefällt Dir am besten?
„Es wird kaum gejammert, sondern es wird GEMACHT, es wird versucht aktiv an einer Situation etwas zu verändern. Viele schauen nicht zurück in die Vergangenheit und ärgern sich über das, was passiert ist, sondern sie schauen nach vorne und packen an. Und während dieses Anpackens überlegen sie sich die nächsten Schritte. Probleme werden angegangen, wenn diese aktuell werden bzw. sind und nicht schon lange vorher. Es wird nicht so viel und im Voraus geplant, wie ich es noch aus Deutschland her kenne.“

An welche Eigenschaft der Isländer konntest Du Dich nur schwer gewöhnen?
„Eben dieses Nicht-Lange-Im-Voraus-Planen oder schon lange vorher Probleme angehen. Aber ich habe gelernt und komme mit dieser Denkweise sehr gut zurecht. Es macht ja auch Sinn, weil warum soll ich mir jetzt viele Gedanken machen über etwas, das erst in einigen Tagen passieren könnte! Lieber nutze ich doch Energie für das Hier und Jetzt. Natürlich wird aber auch in Island geplant, aber eben in vielen Bereichen doch anders als in Deutschland.“

Hast Du die isländischen Sagen gelesen? Wenn ja, welche?
„Nein, ich habe keine gelesen. Aber ich habe zwei Bücher bei mir zuhause in Reykjavík, die darauf warten gelesen zu werden.“

Glaubst Du, dass in Djúpavík Elfen oder Trolle leben?
„Ich glaube ja, weil: Wie sonst hätte man vor ca. 77 Jahren diesen riesigen Dampfkessel in das Fabrikgebäude rollen können?“

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?
„Auf dieser Welt.“

Different III - Exhibition of Claus Sterneck
Different III – Exhibition of Claus Sterneck

Was würdest Du Menschen raten, die vorhaben nach Island auszuwandern?
„Alles – auch Island – hat mind. zwei Seiten. Island ist nicht nur ein Urlaubsland. Lebt man hier, so gibt es Alltag, Regen und Schnee, man muss Arbeiten, die Sprache sollte (muss!!!) man lernen. Wenn möglich, dann erstmal probeweise einige Monate z.B. ein Praktikum oder Gastsemenster an der Uni machen und schauen, ob auch der Alltag z.B. in Reykjavík einem liegt. Ich kenne ein paar Menschen, die hier einige Zeit gelebt haben und wieder weggezogen sind, weil sie mit anderen Vorstellungen nach Island kamen bzw z.B. Reykjavík ihnen zu ,klein‘ war.“

Sage doch etwas über Dein aktuelles Projekt „Ein Bild pro Tag“ („One picture per day“)

„Seit Anfang 2012 zeige ich auf meiner Facebookseite https://www.facebook.com/claus.in.iceland täglich ein Bild, welches ich am selben Tag fotografiert habe. Die Entscheidung, ob ein Bild auf der Seite veröffentlicht wird, entsteht meist spontan in dem Moment der Aufnahme. So sind sehr unterschiedliche Bilder – alle aufgenommen in Island – entstanden, weil ich auch versuche, nicht zweimal ein gleiches Motiv zu zeigen. Die Facebookseite ist sichtbar auch für Internetnutzer, die nicht bei Facebook registriert sind! Auf http://www.claus-in-iceland.com/one-picture-per-day/index.php bekommt man einen Überblick über alle Aufnahmen, die ich für dieses Projekt gemacht habe.“

Vielen Dank an Claus Sterneck für die Beantwortung dieser Fragen ! Wer mehr über ihn und seine Arbeit erfahren möchte kann seine Hompepage www.claus-in-island.de oder seine Facebook-Seite www.facebook.com/claus.in.iceland besuchen.

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