Samstag , 21. Oktober 2017
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Kirkjubæjarklaustur

Kirkjubæjarklaustur oder von den Isländern kurz Klaustur genannt ist ein Ort im Süden Islands zwischen Vík und Höfn. Er ist ein von Touristen und Einheimischen gern gewähltes Etappenziel auf der Ringstrasse, da er in der Nähe wichtiger Abzweige ins Hochland liegt.

Kirkjubæjarklaustur hat rund 150 Einwohner und verfügt über eine gute Infrastruktur, denn sie ist zwischen Vík und Höfn die einzig größere Ansiedlung mit zentraler Bedeutung. Diese Bedeutung rührt daher, dass unweit von Kirkjubæjarklaustur die Straßen F208 und F206 abzweigen, die tief in das Hochland Islands führen. Im Ort gibt es daher eine Polizeistation, Werkstätten, ein Schwimmbad, ein Icelandair-Hotel, zwei gastronomische Betriebe, einen Supermarkt und nicht zu vergessen zwei Tankstellen: eine SB-Tankstelle und eine große N1 Tankstelle. Diese verfügt, wie in Island üblich, über einen kleinen Shop. Von Autozubehör über Kosmetika bis hin zu Lebensmitteln kann man dort alles Mögliche einkaufen. Auch ein Fastfood-Restaurant mit dem üblichen Angebot an Hamburgern, Hot Dogs, Chicken Nuggets, Schnitzel sowie kalten und warmen Getränken ist in die Tankstelle integriert. Die Qualität ist nicht mit üblichen Fastfoodketten vergleichbar. Die Hamburger werden frisch zubereitet und schmecken hervorragend.

Von Kirkjubær zu Kirkjubæjarklaustur

In dem Gebiet von Kirkjubæjarklaustur sollen bereits vor der Landnahme durch die Wikinger irische Mönche gelebt haben. Nach der Landnahme siedelte hier Ketill fíflski, was auf deutsch soviel wie Ketill der Törichte bedeutet. Den Namenszusatz hatte er von den damals überwiegend heidnischen Isländern bekommen, da er Christ war. Allerdings ermöglichte ihm dieser Umstand überhaupt, sich hier anzusiedeln. Einer Erzählung zur Folge haben die irischen Mönche den Ort mit einem Fluch belegt, so dass hier nur nur Christen leben können. Dies musste später Hildir Eysteinsson schmerzhaft erfahren. Er war Heide und fiel bei der Absicht, das Gebiet zu besiedeln auf der Grenze zum Weideland tot um. Die Stelle markiert ein Hügel, der deswegen den Namen Hildishaugur trägt.

Der Ort blieb seiner religiösen Bestimmung treu und 1186 entstand ein benediktinisches Nonnenkloster, welches bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts Bestand hatte. Und so wurde aus dem bis dahin Kirkjubær („Kirchhof“) genannten Ort Kirkjubæjarklaustur („Kirchhofkloster“) und ist einer der am schwierigsten zu lesenden und auszusprechenden Orte Islands.

Das Kloster der Benediktinerinnen hat viele Namensgebungen rund um Kirkjubæjarklaustur geprägt. Nonnen werden auch als Schwestern bezeichnet, was auf isländisch „systra“ bedeutet. So heißt der See auf dem Hochplateau oberhalb des Ortes Systravatn und der gut sichtbare Wasserfall, der durch einen aus dem See abfliessenden Bach gebildet wird, Systrafoss. Erzählungen nach haben die Nonnen in dem See gebadet. Eines Tages soll eine Hand mit einem Goldring aus dem Wasser aufgestiegen sein. Zwei der badenden Nonnen griffen nach der Hand mit dem Ring, um diesen an sich zu reissen und wurden in die Tiefe gezogen und ertranken.

Oberhalb des Wasserfalls Systrafoss
Oberhalb des Wasserfalls Systrafoss

Aber nicht nur diese beiden Nonnen hat ein besonderes Schicksal ereilt. Zwei andere Schwestern des Benediktinerordens wurden mit dem Tode bestraft und verbrannt. Eine der Nonnen hatte sich dem Teufel verkauft und Männern hingegeben, die andere hatte schlecht über den Papst geredet. Westlich von Kirkjubæjarklaustur sticht ein riesiger Felsen einsam aus der Landschaft hervor, der Systrastapi. Dieser ist das Grab der verbrannten Nonnen. Nach der Reformation wurde die Nonne, die schlecht über den Papst gesprochen hatte, von ihrer Schuld freigesprochen. Seitdem blühen auf dem Systrastapi wieder Blumen.

Südlich von Kirkjubæjarklaustur gab es zu der Zeit der Benediktinerinnen ein weiteres Kloster, welches von Mönchen geführt wurde. Das Þykkvabæjarklaustur genannte Kloster gehörte zum Bistum Skálholt. Erzählungen zu Folge zog es die Mönche regelmäßig zu den Nonnen. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg und machten Station an einem im Landbrot gelegenen Pseudokrater. Von dort konnte man das Kloster der Nonnen sehen und sie stimmten einen Gesang in Richtung des Klosters an, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Nonnen versammelten sich daraufhin in einer Höhle, um die Mönche zu empfangen. Der Pseudokrater wird seitdem Sönghóll und die Höhle Sönghellir genannt.

Schon gewusst?
Es gibt Krater, die keine sind. Die schönsten und größten davon findet man in der Region um den See Mývatn. Aber auch in dem Gebiet südlich von Kirkjubæjarklaustur haben sich eine Vielzahl dieser Pseudokrater ausgebildet und eine von unzähligen Hügeln geprägte Ebene mit dem Namen Landbrotshólar geschaffen. Pseudokrater entstehen, wenn heiße Lava über ein Feuchtgebiet fließt und das von der Lava eingeschlossene Wasser explosionsartig verdampft.

Von Feuerpredigten und der Last der Geschichte

Eine weitere besondere Begebenheit mit religiösem Hintergrund spielte sich Ende des 18. Jahrhunderts während des dramatischen Vulkanausbruchs ab, der für zahlreiche Todesopfer in Island und Europa verantwortlich ist und die Lakikrater geschaffen hat. Dabei wurden neben giftigen Gasen auch riesige Mengen Lava freigesetzt, die sich aus dem Hochland bis in die Region um Kirkjubæjarklaustur ihren Weg suchten. Der Pfarrer Jón Steingrímsson hielt in der Kirche, in der die Gemeinde versammelt war, eine ergreifende Predigt, die später als Feuerpredigt in die Geschichte einging. Da der Lavastrom nach dieser Feuerpredigt kurz vor Systrastapi zum Stehen kam, wurde seiner Predigt dieser Umstand zugeschrieben. 1974 wurde die neue Kirche in Kirkjubæjarklaustur zu seiner Ehrung nach ihm benannt.

Auf der Wiese neben der Schule von Kirkjubæjarklaustur steht eine Skulptur des isländischen Künstlers Magnus Tómasson. Sie zeigt zwei Mönche, die einen schweren Stein auf ihren Köpfen tragen. Der Titel der Skulptur lautet „Byrði sögunnar“, was auf deutsch „Die Last der Geschichte“ bedeutet. Versinnbildlicht wird damit die Last der Geschichte, die auf diesem Teil Islands liegt. Das Gewicht dieser Skulptur beträgt 10 Tonnen.

Byrði sögunnar - Die Last der Geschichte
Byrði sögunnar – Die Last der Geschichte

Schon gewusst?
Von 1783 bis 1784 ereignete sich im Hochland oberhalb von Kirkjubæjarklaustur ein Vulkanausbruch, der als einer der größten in historischer Zeit dokumentierten Ausbrüche gilt. In Island wird dieser Ausbruch auch als Móðuharðindin bezeichnet, was auf deutsch soviel wie „Not mit dem Nebel“ bedeutet. Diesen Namen bekam der Ausbruch, da mit ihm erhebliche Mengen an Gas und Asche ausgestoßen wurden, die den Tod von rund einem Viertel der damaligen Bevölkerung Islands mit sich brachte. Der Tod kam durch Vergiftung und Hunger, da durch die Gase 80% des Schafbestandes, 50% des  Pferde- und Kuhbestandes und weite Teile des Weidelandes zerstört wurden. Aber die Gas- und Aschewolken sorgten auch im restlichen Europa und dem Rest der nördlichen Hemisphäre für extreme Winter und ungewöhnliche Wettereffekte, die für Starkregen und Überschwemmungen sorgten. In Europa kam es dadurch zu Missernten und Hungersnot. Das Leid der Menschen mündete in Frankreich in der französische Revolution, die damit mit auf den Ausbruch des Vulkans in Island zurück zu führen ist.

In und um Kirkjubæjarklaustur

Um den Zusammenhang der Stadt mit Kirche und Kloster zu vervollständigen, gibt es in unmittelbarer Nähe der Stadt ein durch die Natur geschaffenes Objekt, welches als Kirkjugólf, auf deutsch „Kirchboden“ bezeichnet wird. Eine durch Meeresbrandung und Gletscher entstandene natürlich glatte Fläche aus Basaltsäulen erinnert an einen gepflasterten Kirchenboden.

Kirkjubæjarklaustur ist Ausgangspunkt einer Vielzahl von gekennzeichneten Wanderwegen. Die übliche Tour ist der Spaziergang längs des Systrafoss zur Hochfläche und zum Systravatn. Von dort oben hat man einen hervorragenden Blick über den Ort. Eine Wanderkarte kann auf der Seite des isländischen Forstamts heruntergeladen werden.

Hólmur í Landbroti bei Kirkjubæjarklaustur
Hólmur í Landbroti bei Kirkjubæjarklaustur

Kirkjubæjarklaustur liegt inmitten einer von saftig-grünen Gras und Moos bewachsenen Umgebung und ist idealer Startpunkt für Tagesausflüge zur Kraterreihe Laki oder zur Feuerschlucht Eldgjá. Von Reykjavík kommend befindet sich kurz vor Kirkjubæjarklaustur auf der linken Seite ein verlassen anmutendes Gebäude, auf dessen Gelände zahlreiche alte Fahrzeuge stehen. Zu empfehlen ist auch eine Fahrt längs der Straße 204, dem Meðallandsvegur. An dieser Straße findet man das Hotel Laki und eine kleine Kirche mit dem Namen Þykkvabæjarkirkja.

Ebenfalls von Reykjavik kommend, findet man etwa acht Kilometer vor Kirkjubæjarklaustur einen einzigartigen Canyon mit einem ebenso einzigartigen Namen, den Fjaðrárgljúfur. Zu erreichen ist dieser Canyon über die Straße F208, die bis zu dieser Stelle noch mit einem normalen PKW befahrbar ist. Der Canyon ist ca. 2 Kilometer lang und bis zu 100 Meter tief. In ihm fliesst der Fluss Fjaðrá, der gespeist vom Schmelzwasser der Gletscher die Schlucht in den letzten Jahrtausenden in das Gestein gegraben hat.

Fjaðrárgljúfur
Fjaðrárgljúfur

Besonderer Tipp
Wer sich jetzt direkt von Kirkjubæjarklaustur einen Eindruck verschaffen möchte, der kann dies mittels Google Streetmap tun. Auch die meisten Städte und Straßen Islands sind von Google bildlich erfasst und können virtuell befahren werden.

Übernachtungsmöglichkeiten in und um Kirkjubæjarklaustur

Icelandair Hotel Klaustur, Klausturvegi 6, Telefon +354 444 4000
Hotel Laki, Efri-Vík, Telefon: +354 412 4600
Hotel Geirland, Geirland, Telefon: +354 487 4677
Fosshotel Núpar, Núpar, Telefon: +354 517 3060
Hunkubakkar, Telefon: +354 487 4681

 

 

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