Freitag , 15. Dezember 2017
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Hveragerði – Zwischen Ringstraße und geothermaler Hochkultur

Wer Reykjavík mit dem Auto über die Ringstraße in Richtung Süden verlässt, wird die Stadt Hveragerði nach ca. 40 Kilometern passieren. Die kleine Stadt im Süden Islands ist bekannt für die Nutzung der geothermalen Energie zur Beheizung von Gewächshäusern, so dass hier Blumen, Gemüse und Südfrüchte gezüchtet werden. Die Stadt hat vieles zu bieten. Ein Stopp oder gar ein mehrtägiger Aufenthalt ist wärmstens empfohlen, stellt Hveragerði doch einen idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in das Umland dar.

Hveragerði ist trotz der steigenden Einwohnerzahlen in den letzten Jahren (aktuell: ca. 2.400) eine mittelgroße Stadt, die über alles verfügt, was ein städtisches Leben ausmacht. Es gibt Supermärkte, Tankstellen, Werkstätten, Hotels, Restaurants, Cafés, Bäckereien und natürlich Blumenläden, in denen die in den Gewächshäusern angebauten Blumen erhältlich sind. Es gibt einen kleinen Park mit Kunstobjekten, eine größere Parkanlage am Fluss Varmá, eine Bücherei und einen Geothermalpark. Und natürlich darf ein Schwimmbad nicht fehlen. Es gibt nur wenige größere Gebäudekomplexe. Die meisten Häuser sind maximal zweigeschossig und meistens freistehende Einfamilienhäuser in der typischen isländischen Bauart. Die Stadt macht einen sehr gepflegten Eindruck und längs der Straßen zieren zahlreiche Blumenbeete die Straßenränder oder Mittelstreifen.

Blumenbeete in Hveragerði
Blumenbeete in Hveragerði

Vor einigen Jahren war Hveragerði noch ein stark frequentierter Anlaufpunkt und bei vielen Reiseanbietern Teil der Touristenroute „The Golden Circle“. Grund war ein über die Grenzen hinaus bekannter Blumenladen, das Café Eden. In diesen wurden in der Hauptsaison Busladungen von Touristen durchgeschleust. Es war eine Kombination aus Gewächshaus mit Ausstellung exotischer Pflanzen, einem Blumengeschäft und einem Cafébetrieb, welches, warum auch immer, bei den Touristen großen Anklang fand. Mittlerweile ist das Café Eden einem Brand zum Opfer gefallen. Da die Besitzer nicht versichert waren und nicht über die Mittel für einen Wiederaufbau verfügten, stehen dort heute nur noch einige der Außenmauern. Diese sind aber zur kreativen Fläche einiger Graffiti-Künstler geworden, die sehr sehenswerte Kunstwerke hinterlassen haben.

Graffiti in Hveragerði
Graffiti in Hveragerði

Unter der Stadt und in der Umgebung, besonders in Richtung Norden brodelt geothermale Energie. Überall im Ort gibt es Stellen, an denen Dampf aus dem Boden tritt. Dies machen sich die Isländer in dieser Region schon seit sehr langer Zeit zu Nutzen und beheizen seit Jahrzehnten zahlreiche Gewächshäuser mit dieser natürlichen Energiequelle. Im Ort gibt es neben den einzelnen Austrittsstellen ein größeres Geothermalfeld, welches gegen eine kleine Eintrittsgebühr betreten werden kann. In diesem Gebiet gibt es unter anderem zwei heiße Quellen mit besonderer Geschichte. Die umgangssprachlich „Killerquelle“ genannte heiße Quelle hat in Wirklichkeit den Namen Manndrápshver. 1906 kam in dieser Quelle ein Mann ums Leben, als er diese nachts im Dunkeln übersehen hatte und in der Quelle verkochte. Aufgrund dieses Ereignisses wurden in Hveragerði Straßenlaternen montiert. Die andere Quelle mit besonderer Geschichte ist die „Abfallquelle“, im isländischen Ruslahver genannt. Sie war trocken gefallen und wurde von den Einwohnern Hveragerðis als Müllhalde genutzt. Doch nach einem Erdbeben wurde diese Quelle wieder aktiv und spuckte den ganzen Müll mit einer großen Explosion wieder zurück in die Umgebung.

Allerdings sind einige der Quellen des Geothermalparks nach einem Erdbeben in 2011 trocken gefallen, unter anderem die Bláhver, die Blaue Quelle, deren ursprüngliches Aussehen nur noch auf einer Hinweistafel zu ersehen ist. Für Kinder gibt es einen Spaß der besonderen Art. Am Eingang können Eier erworben werden, die man im Park in einem kleinen Netz ins heiße Wasser der Quellen halten und garen kann. Verspeist werden können diese dann zusammen mit einem durch die Hitze der Quellen gebackenen Brot, welches auch am Eingang des Parks erhältlich ist. Und für jung und alt ist ein Fußbad im heißen Wasser in der Nähe des Eingangs eine wohltuende Abwechslung.

Bláhver - trocken gelaufen beim Erdbeben von 2011
Bláhver – trocken gelaufen beim Erdbeben von 2011

Das Erdbeben in 2011 war für das Geothermalfeld in der Stadt ein Leid, ein anderes Erdbeben in 2008 hat hingegen ein im Norden der Stadt befindliches Geothermalgebiet zu neuem Leben erweckt. Das Erdbeben von 2008 war ein besonders heftiges mit einer Stärke von 6,3 auf der Richterskala. Dabei wurden viele Häuser beschädigt und an einigen Stellen riss die Erde im wahrsten Sinne des Wortes auf. Die Spalten sind unter anderem im Einkaufszentrum der Stadt zu finden, wo sich auch eine dauerhafte und frei zugängliche Ausstellung zum Erdbeben befindet. Die Spalte im Boden wurde mit Glas überdeckt, so dass man in die Spalte hineinsehen kann. In der Ausstellung befindet sich auch ein Erdbebensimulator, in dem man gegen eine kleine Gebühr ein Beben mit der Stärke 6 selbst erfahren kann. Im Norden der Stadt, am Fuße der dort befindlichen Berge wurde durch das Beben ein schon erkaltetes Geothermalgebiet wiederbelebt. Dort kann man nun mehrere Dampfaustrittsstellen sowie Schlammtöpfe brodeln und blubbern hören. Richtig sehen kann man diese nicht, da der Boden zu dünn ist und die Gefahr des Einbrechens mit starken Verbrühungen besteht.

Weitere Schäden des Erdbebens aus 2008 können bei Wanderungen auf einem der ausgeschilderten Wanderwege gesichtet werden. Sechs verschiedene Wanderwege stehen zur Auswahl. Eine Übersichtskarte des Ortes mit den Wanderwegen kann hier geladen werden. Die Wanderwege führen einen durch die an die Stadt angrenzenden Gras- und Waldflächen, entlang des idyllischen Flusses Varmá und vorbei an heißen Quellen und dem neu erwachten Geothermalgebiet im Norden der Stadt. Der Fluss Varmá wird in den Sommermonaten von Lachsen aufgesucht, die zum Laichen an ihren Geburtsort zurück kehren. Mit ein wenig Geduld können die Lachse beim Überqueren des Wasserfalls beobachtet werden. Ein unbedingtes Muss, wenn man sich länger in Hveragerði aufhält.

Steinbruch in Hveragerði - Entstanden beim Erdbeben am 29. Mai 2008
Steinbruch in Hveragerði – Entstanden beim Erdbeben am 29. Mai 2008

Gartenarbeit ist die wirtschaftsbeherrschende Aktivität in Hveragerði, deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Hveragerði auch als „die blühende Stadt“ bezeichnet wird. Jedes letzte Wochenende im Juni ist Hveragerði Gastgeber einer jährlichen Blumenausstellung, in der Gärtnereien aus ganz Island ihre Künste zur Schau stellen.

Wer in Hveragerði essen gehen will, der sollte das Restaurant „Kjöt og Kúnst“ in der Breiðumörk 21 besuchen. In diesem Restaurant werden alle Gerichte mit geothermalen Dampf gegart. Es hat ganztägig geöffnet und bietet neben warmen Speisen auch Kaffee, Tee und Kuchen an. Weitere Cafés und Restaurants sind:

Almar Bakari, Bäckerei und Café, Sunnumörk 2
Café Rose, Café, Austurmörk 2
Dalakaffi, Restaurant, Ölfusdalur GPS: N 64°01.330´ W 021°12.673
Grillið hjá Möggu, Fastfood, Breiðumörk 19
Hoflandsetrið, , Schwerpunkt Pizzeria, Breiðumörk 2B
Hótel Örk, Restaurant Árgerði, Breiðumörk 1c
Nielsen, Fastfood, Sunnumörk 2
Restaurant Varmá, Restaurant, Hverhamar

Wenn man mehrere Tage in Hveragerði wohnt, kann man von dort Tagesausflüge in die Umgebung starten. Zum Beispiel auf die Reykjanes Halbinsel oder zum Golden Circle. Und wer abends lecker essen gehen möchte, dem sei das Restaurant Rauða Husið in dem ungefähr 25 Kilometer entfernten Ort Eyrarbakki empfohlen. Dort gibt es eine hervorragende Küche mit leckeren Fischgerichten.

Und wer länger in Hveragerði bleiben möchte, kann hier übernachten:

Campingplatz Hveragerði, Reykjamörk 18
Hotel Hot Springs, Grænumörk 10
Hótel Örk, Breidumork 1c
Guesthouse Frost and Fire, Hverhamar
Guesthouse Frumskógar, Frumskógar 3
Axelshús, Reykjamörk